Offenstall oder Boxenhaltung? Pro & Contra

5. August, 2016 Tania Dählmann

Offenstall oder Boxenhaltung
Die meisten Pferdebesitzer sind bemüht, es ihrem Tier an nichts mangeln zu lassen. Dies beinhaltet natürlich auch die Frage, ob man den Vierbeiner in einem Offenstall oder in der Boxenhaltung unterbringen möchte. Beide Haltungsvarianten haben Vor- und Nachteile.

Die Haltungsform, ob Offenstall oder Boxenhaltung, ist eine wichtige Entscheidung für das Pferd

Beim Offenstall hat das Pferd die Möglichkeit, sich den ganzen Tag frei zu bewegen. Dies ist für ein Bewegungstier sehr wichtig: Pferde bewegen sich in freier Wildbahn auf der Nahrungssuche bis zu 16 Stunden täglich. Im Offenstall kann das Tier seinem großen Bewegungsdrang natürlich besser nachgehen als in einer Box.
Oft kann man auch beobachten, dass die im Offenstall gehaltenen Tiere sehr viel ausgeglichener und entspannter sind. Dies kommt zum einen natürlich von der verbesserten Bewegungssituation, zum anderen liegt es aber auch daran, dass die Pferde viel mehr Reize der Außenwelt wahrnehmen können als in einer Box (vor allem, da es heutzutage auch immer noch Boxen ohne Fenster gibt). Dadurch ist das Pferd seltener gelangweilt und es kommt auch im Offenstall äußerst selten zu haltungsbedingten “Unarten” wie zum Beispiel Koppen oder Weben, was man bei vielen Boxenpferden beobachten kann.

Koppen oder Weben können auch mit der Stallhaltung zusammen hängen

Es ist in diesem Falle eigentlich auch unangebracht, von Unarten zu sprechen, denn Pferde, die koppen oder weben, haben immensen psychischen Stress, oft verursacht durch Langeweile und Bewegungsmangel. Das Pferd ist also nicht “unartig”, sondern leidet an einer psychischen Erkrankung! Dies ist ein weiterer Vorteil an der Offenstallhaltung (und ein Nachteil der Boxenhaltung).

Verletzungsgefahr im Offenstall geringer – Risiko “Mobbing” jedoch höher

Zudem kommt hinzu, dass sich die Pferde im Offenstall seltener verletzen – vorausgesetzt, die Herde ist harmonisch und die Pferde verstehen sich gut.
Im gegenteiligen Falle birgt der Offenstall natürlich das Risiko, dass rangniedrige Pferde “gemobbt” und von der Gruppe ausgeschlossen werden. Dies resultiert dann oft in Verletzungen verschiedenster Art und natürlich auch in Kummer beim unfreiwilligen Einzelgänger. Abgesehen von den Sorgen, die man sich dann um sein Pferd macht, ist das finanzielle Risiko und die tierärztliche Versorgung von unfallbedingten Wundnähten z. B. über die Pferde-OP Versicherung oder Pferdekrankenversicherung abgesichert.

Versorgung der Pferde im Offenstall oft schwieriger

Ein weiterer Nachteil ist die manchmal schwierigere Versorgung der Pferde: Wer seinen Offenstall nicht direkt an einem Haus oder Hof angelegt hat, muss sich häufig einiges einfallen lassen, um den Pferden zum Beispiel dauerhaften Zugang zu Wasser zu ermöglichen – dies ist vor allem im Winter, wenn der bereitgestellte Wasserbottich ständig einfriert, ein Problem.

In der Boxenhaltung ist dies natürlich sehr viel einfacher, da meist in jeder Box eine automatische Tränke installiert ist. So muss man nicht täglich frisches Wasser zum Stall schleppen und da es im Stallgebäude auch im Winter oft wärmer ist als draußen, friert das Wasser auch nicht so schnell ein.
Zudem kann man sich bei rangniedrigen Pferden sicher sein, dass sie nicht von den anderen ausgeschlossen und zum Beispiel von der Heuraufe vertrieben werden; das eigene Tier bekommt schließlich sein Futter und sein Heu in der Box und kann es ganz in Ruhe fressen. Nachteil hieran ist jedoch, dass viele Pferde zu den Futterzeiten unruhig und teilweise sogar bissig werden, wenn der Stallmeister das Futter in die Krippe gibt. In der Offenstallhaltung beobachtet man solchen Futterneid jedoch viel seltener.
Praktisch ist es für den Besitzer natürlich auch, dass sein Tier im Falle von Regen oder Matsch nicht nass oder dreckig ist, wenn er es reiten möchte. So muss er nicht auf das Reiten verzichten, denn eine ganz frische Schlammkruste, die noch nass ist, bekommt man selten komplett aus dem Fell entfernt und kann dann keinen Sattel auflegen, da der Dreck sonst scheuern würde.

Boxenhaltung widerspricht dem natürlichen Bewegungsdrang und fördert Krankheiten

Gesundheitlich gibt es jedoch in der Boxenhaltung einiges zu bedenken: Die Pferde stehen die meiste Zeit des Tages auf einem Fleck und können sich maximal ein paar Schritte bewegen. Dies ist, wie oben schon erwähnt, für ein Bewegungstier nicht förderlich und führt oft zu Krankheiten wie Arthrose. Zudem ist die Luft in vielen Stallgebäuden nicht optimal, dies kann zu Schädigungen der Lunge führen. Solche Krankheiten können einen ständigen Tierarztbesuch nach sich ziehen. Um zumindest das finanzielle Risiko, das schlecht in einer konkreten Summe einschätzbar ist, auf der sicheren Seite zu sein, sollte eine Pferdekrankenversicherung in Betracht gezogen werden, welche langfristig die entstehenden Tierarztkosten übernimmt.

Außerdem muss man sich Gedanken machen, wie man das Pferd, das im Schnitt zwanzig Stunden im Stall verbringt, ausreichend beschäftigen kann, damit keine Langweile aufkommt.

Verletzungsgefahr bei der Boxenhaltung größer

Pferde können sich in den meisten Boxen beim Wälzen auch festlegen, da die Wände ja immer sehr nah sind. Diese Situation ist für das Fluchttier natürlich äußerst angsteinflößend und nicht selten kommt es dann zu bösen Verletzungen, wenn das Tier panisch versucht, sich selbst aus dieser Lage zu befreien. Im Offenstall kommt dies selten vor, da die Pferde viel mehr Platz haben, sich eine passende Wälzstelle zu suchen.
Im Falle der Boxenhaltung sollte man sich auf jeden Fall überlegen, ob man für sein Tier nicht eine Pferde-OP Versicherung abschließen möchte, falls es zu Verletzungen durch Festlegen kommt. Aber auch bei schlechter Stallluft und daraus resultierenden Lungenschäden kann eine Pferde-OP Versicherung sinnvoll sein, wenn hier nur das Risiko Operationen abgedeckt sein soll.

Es zeigt sich also, dass für die meisten Pferde die Haltung im Offenstall mehr Vorteile mit sich bringt, da sie in der Gesamtheit betrachtet wesentlich artgerechter ist. Für den Besitzer ist diese Haltungsform allerdings häufig mit mehr Einschränkungen und Unbequemlichkeiten verbunden, daher ist es für den Menschen selbst oft besser, sein Pferd in der Boxenhaltung unterzubringen.

Egal, für welche Haltungsform Sie sich am Ende entscheiden: Eine Pferdekrankenversicherung oder Pferde-OP Versicherung ist immer eine sinnvolle Zusatzversicherung, da auch im Offenstall Unfälle verschiedenster Art passieren können (siehe oben). Mit einer Pferdehaftpflicht Versicherung sind Sie als Pferdehalter bei beiden Stall-Haltungsformen vor Kosten geschützt, die das Tier eventuell an der Box oder am Offenstall verursachen kann, wenn Sie den Punkt “unbewegliche Mietsachschäden” eingeschlossen haben.

Gerne sind wir auf Ihre Meinungen und Erfahrungen zum Thema
⇨ welche Stallhaltung? gespannt.

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